Die Geschichte der DWM u. MfM Lübeck Schlutup

DWM = Deutsche Waffen und Munitionsfabriken

MfM = Maschinen für Massenverpackungen

Der Fabrikant Leopold Holtz geb. 21.9.1837 in Karlsruhe gest. 5.3.1876, war einer der Mitbegründer der deutschen Metallpatronenfabrik Lorenz, die 1896 zur Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik ( DWM ) wurde.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1933 der Machtergreifung Hitlers. Die Geschäftsleitung der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken AG in Karlsruhe beschloss 1933 eine Fabrik für Spezialmunition unweit von Lübeck zwischen Schlutup und Palingen zu errichten. .Dort waren riesige Flächen verfügbar, hier erhielt das Rüstungsunternehmen über 400 Hektar Land. Arbeiter legten dort Schießstände mit einer Länge von bis zu 2 Kilometer an. Hier ließ die Firmenleitung Munition testen, die sie in einer eigenen Forschungsanstalt entwickelte. Weit über 100 Gebäude entstanden zwischen 1935 und 1944 für die DWM, ihrer Tochterfirma MfM , und einige Zulieferbetriebe. Arbeiter bepflanzten einen Großteil der Dächer der Fabrikgebäude mit Gras und Bäumen. Die Rüstungsfabriken sollten für feindliche Bomberpiloten nicht zu erkennen sein. Den Baufirmen drohte eine Konventionalstrafe von ca. 50 Mark für jeden unnötig gefällten Baum um die Tarnung zu erhalten.

An der Mecklenburgerstr. in Richtung Lübeck steht noch ein Pförtnerhaus. Wer hier in den vierziger Jahren am Pförtner vorbeikam, ging nicht unbedingt freiwillig zur Arbeit. Viele wurden aus ihren Heimatländern verschleppt und zur Arbeit in den Werken der DWM u. MfM gezwungen. Die Zwangsarbeiter gehörten zum riesigem Heer der acht Millionen Menschen, die während der Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangene oder so genannte zivile Fremdarbeiter nach Deutschland deportiert wurden. Ein Großteil kam aus der Sowjetunion und aus Polen, der Rest stammte aus Dänemark, Italien, Frankreich und den Niederlanden. Über 20200 Zwangsarbeiter kamen nach Lübeck und lebte in einen Ring von Barackenlagern rund um Lübeck, zum teil in sehr elenden Verhältnissen. Mit über 1180 Belegplätzen gehörte das Lager der DWM zu den größten in Lübeck . Weitere Lager befanden sich in der Nähe der Werke DWM u. MfM, zum Teil auf dem Gebiet der Hansestadt und teilweise in der Palinger Heide im angrenzenden Mecklenburg. Die Firmenleitungen der DWM u. MfM meldeten ihren Bedarf an "Mitarbeitern" beim zuständigen Arbeitsamt an. Es war für die Verteilung der "Arbeitskräfte" zuständig. Kurz vor dem Krieg arbeiteten in der DWM u. MfM Lübeck Schlutup ca. 2500 Männer und Frauen. Im Krieg waren über 4000 Menschen für die MfM tätig. Für die DWM arbeiteten über 8000 Männer und Frauen,620 davon in der Munitionsforschungsanstalt. Ein Großteil der ausländischen Zwangsarbeiter musste bei der Herstellung von Munition helfen, die dann gegen ihre eigenen Landsleute abgefeuert wurde. Wer sich weigerte, wurde hart bestraft. Einige Strafen, die in Lübeck gegen Ausländer ausgesprochen wurden, gingen so weit, das sich das Rüstungskommando im Juli 1943 beschwerte. Die schweren Misshandlungen von Kriegsgefangenen seien "im Interesse Hebung der Arbeitsleistung" zu vermeiden. Nach einer Verfügung des Chefs der Sicherheitspolizei im Februar 1945 waren die Zwangsarbeiter endgültig der Willkür der Dienststellenleiter ausgeliefert und bei Bedarf zum "Abschuss" freigegeben. Kurz vor Kriegsende besetzten englisch Truppen Lübeck, sie schlossen die Belegschaft der Waffen- und Munitionsfabrik DWM u. MfM aus, und internierten vorübergehend die Deutschen Führungskräfte um sie vor Übergriffen ehemaliger "Zwangsarbeiter" zu schützen.

Im Kriegszeiten haben in den Werken der DWM , MfM und ihrer Zulieferbetriebe weit über 15000 Menschen für das Dritte Reich geschuftet.


Der unten Stehende Zeitungsartikel ist aus den Lübecker Nachrichten , von : Sonntag 3.3.1985 / Autor Matthias Wiemer

In Grenznähe schlummert ein grünes Gewerbegebiet

Alte Gemäuer und Grasdächer sind die Reste einer düsteren Epoche

Schlutup. Dass die Hansestadt Probleme bei der Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe hat , ist kein Geheimnis. Nur wenige der zu Tiefstpreisen offerierten Objekte finden Interessenten. In unmittelbarer Grenznähe hat Lübeck allerdings noch eine hoffnungsvolle Trumpfkarte. Das Gewerbegebiet Schlutup - ein etwas seltsames Areal, das wie ein Park mit zu groß geratenen Wanderwegen anmutet. Auf den Hallendächern wachsen Ökowiesen und an Hochsicherheitstrakte erinnernde Mauern weisen auf seine düstere Vergangenheit.

Nicht zu lange nachdem die Stadtbuslinie 3 die Edelsteinsiedlung passiert hat und in den Wesloer Forst eingetaucht ist , ruft der Busfahrer " Schlutuper Tannen " ins Mikrophon . Steigt man hier aus, befindet man sich mitten im Gewerbegebiet Schlutup. Auf diesem zusammen fast 200 Hektar großen Areal liegen Spuren eines unrühmlichen Teils der Geschichte Lübecks und Hoffnungen für Wirtschaft und Arbeitsplätze in der Hansestadt dicht beieinander .

Schaut man nach links , findet man hoch aufragende Werkshallen von hohen Mauern umgeben. Der Blick nach rechts zeigt den Palinger Weg , der quer durch den östlichen Teil des Gebietes bis hin zur Siedlung Schlutup führt. Zwischendurch überragen vereinzelt hohe Kiefern die kleineren Gebäude. Es war nicht zuletzt die Lage in diesem ausgewachsenen Waldgebiet , die zwei Jahre vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges Rüstungsindustriestrategen aufmerksam machte . Ab 1935 wurde das gesamte Gebiet des heutigen Gewerbeareals erschlossen . Die Bäume blieben aber. Denn sie boten einen idealen Sichtschutz vor allem nach oben . Der Platz war gut gewählt , denn bis zum Einmarsch der Alliierten Truppen waren die größten Munitionsfabriken unentdeckt und dementsprechend von den Bomberverbänden verschont geblieben. Nach Kriegsende wurden die Maschinen und Fabrikationseinrichtungen abgetragen und gingen als Reparationsleistungen zum Teil in den Ostblock. Die Gebäude blieben bestehen , darunter riesige Hallen , die in Stahlbeton - Skelettbauweise errichtet worden waren. Aus Sicherheitsgründen hatte man damals wahrhafte Bunker mit Fenstern und einer dicken Mütze aus Gras und Sträuchern errichtet.

Teich explodiert

Es dauerte noch Jahre , bis die Munition weitgehend geräumt und zum größten Teil auch an Ort und Stelle vernichtet worden war. Einiges ist einfach in die umliegenden Teiche gewandert , kam aber später wieder in brisanter Weise zum Vorschein . Beispielsweise , als einige Besatzungssoldaten mit Handgranaten fischten , wobei einmal ein ganzer Teich explodierte. Anfang der 50 er Jahre diente das Gebiet als Getreidedepot , dann kamen die ersten Firmen , und Kleinunterkünfte wurden errichtet. Heute gliedert sich das grüne Gewerbegebiet in drei Teile: Die Industrieverwaltungsgesellschaft mbH (IVG ), die Grundstücksverwaltungsgesellschaft Industriepark Schlutup und die HQH Grundbesitzgesellschaft & Co. Die erfolgreichste Firma , die IVG , gehört dem Bund . Als zweitgrößte Gesellschaft ( 54 Hektar ) verfügt sie über die größte Hallenkapazität . Rund 95 Prozent sind vermietet. Die Gesellschaft an der die Bank für Gemeinwirtschaft beteiligt ist , ging aus dem Konkurs einer dänischen Firma hervor . Der dritte im Bunde , die HQH , gilt beim Amt für Wirtschaft als bisher am wenigsten etablierte Nutzerin , was aber auch an der Struktur liegt . Auf den rund 118 Hektar verteilen sich kleinere gewerbliche Bauflächen mit lange nicht so guter Bausubstanz , Forstgebiete , landwirtschaftliche und Kleingartenflächen . Zur Zeit werden hier insgesamt rund 500 Menschen beschäftigt . Eine Besonderheit dieses Gewerbegebietes: So gut wie keine Zuschüsse aus der öffentlichen Hand sind bisher hier her geflossen . Natürlich nicht unbedingt zur Freude der Gesellschaften . HQH- Prokurist Max Müller , seit den 40 er Jahren in Schlutup: " Soweit mir bekannt ist , hat hier noch keine Gesellschaft Förderungsmittel aus Land und Bund in Anspruch genommen . Dafür haben wir aber schon eine Menge Geld in Planung gesteckt ."

Und Planung ist ein aktuelles Thema für den gesamten Bereich . Der Hansestadt Lübeck schwebt ein Konzept gerade für den HQH- Bereich vor , wohnen und arbeiten " entstehen könnte . Was die zukünftige Planung angelangt , laufen derzeit Gespräche mit den städtischen Gremien , die von Max Müller zumindest als Erfolg versprechend bezeichnet werden . Außerdem steht hierzu auch noch ein Bürgerschaftsbeschluss aus .

Schwarze Schafe

Bei der HQH ist man sich bewusst , dass dieses größte der drei Gebiete auch die meisten Kleingewerbereibenden beherbergt, die von den Behörden zuweilen etwas argwöhnisch beäugt werden . Besonders im Bereich des Kfz - Gewerbes gebe es da wohl immer wieder einige schwarze Schafe , war aus dem Amt für Wirtschaft und Verkehr zu erfahren . Wie geht der Vermieter damit um ? Müller : " Unsere Verträge enthalten klare Abmachungen , die den gewerberechtlichen Bestimmungen entsprechen . Wer diese nicht erfüllen kann , ist bei uns als Mieter ungeeignet ." Einige strukturelle Retuschen , die noch anstehen , werden das gesamte Gebiet nicht wesentlich verändern . Es bleibt ein gewisses Hoffnungsreservoire der Stadt . Denn viele kleine Unternehmen suchen in anderen Stadtteilen.


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letzte Aktualisierung : Sonntag, 26. Oktober 2008 11:59:26 h